2. Kapitel
Tote Hasen, Gold und Leichen
Welcher Unstern, soll ich denken,
steht meinem Schicksal im Wege?
steht meinem Schicksal im Wege?
Welche Götter soll ich anklagen,
dass sie Krieg gegen mich anzetteln?
OVID, AMORES
Drei Monate später war der April ins Land gezogen.
Aurelia Rufina schob die Schüssel mit gesüßtem Hirsebrei halb leer gegessen zur Seite. Sie hatte schon lange keinen Appetit mehr.
»Ich gehe die Becken kontrollieren«, tat sie ihrem Schwiegervater kund, der mit großem Behagen eine zweite Portion Honig über seinen Brei goss.
»Du bist ein mageres Huhn geworden, Rufina. Du solltest mehr essen, sonst findest du nie einen neuen Mann!«
»Hat irgendjemand dich um deine Meinung gefragt, Crassus?«
»Und Gift hast du auch unter der Zunge.«
»Du kippst dir genug Honig in die Schüssel, da muss ich dir ja nicht noch welchen um den Bart schmieren!«
Die junge Frau stand von der Bank auf, zog sich mit einem energischen Ruck die Stola zurecht und steckte sich noch einmal die widerspenstigen Locken fest. Ein Sonnenstrahl, der durch das geöffnete Fenster fiel, ließ sie kupferrot aufleuchten.
Crassus stellte den Honigtopf hin und schüttelte resigniert den Kopf: »Dabei könntest du wirklich ganz niedlich aussehen!«
»Mit Niedlichkeit verdiene ich nicht mein Geld.«
»Mit der Therme auch nicht.«
»Ach, stopf dir doch endlich den Brei in den Mund, du alter Nörgler!«
Sie rauschte aus dem Raum und nahm den privaten Zugang über das Peristyl des Innenhofes zum Apodyterium, dem Auskleideraum i