: Susanne Betz
: Falkenjagd Historischer Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641016463
: 1
: CHF 4.50
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 353
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB/PDF
Eine außergewöhnliche Frau, so frei wie ein Falke!

Ein farbenprächtiger historischer Roman um eine faszinierende Frau des deutschen Rokkoko: Friederike von Preußen, die Schwester Friedrichs des Großen.
Hinreißend erzählt: Susanne Betz erweckt das Zeitalter der Reifröcke, gepuderter Perücken und intriganter Hofzwerge zu prallem Leben!

Preußen 1729: Die vierzehnjährige Friederike, die Schwester Friedrichs des Großen, wird mit dem Markgrafen Charles von Ansbach verheiratet. Das intrigante und frivole Hofleben gerät der jungen, blitzgescheiten Markgräfin jedoch bald zum Gefängnis. Zudem hat der aufbrausende Charles eine Mätresse aus dem Volk und interessiert sich nur für die Falkenjagd. Dennoch gelingt es Friederike, dem höfischen Daueramüsement zu entgehen, indem sie Anatomie studiert und mit dem Anbau von Kartoffeln ihre Untertanen vor dem Hungertod rettet. Indem sie sich Stück für Stück von den überkommenen Konventionen befreit, öffnet sich die faszinierende Markgräfin schließlich auch für die Liebe …

Susanne Betz wurde 1959 in Gunzenhausen geboren. Sie studierte Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften in Deutschland, den USA und Kolumbien. Danach arbeitete die promovierte Historikerin bei verschiedenen deutschen und amerikanischen Tageszeitungen und Zeitschriften. Seit 1993 ist sie Hörfunkredakteurin in der Abteilung Politik des Bayerischen Rundfunks. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in der Nähe von München. In ihren historischen Romanen macht sie auf einzigartige Weise Geschichte lebendig.

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In den meisten Schüsseln schwammen wieder bleich gekochte Rüben. In anderen sackte fahler Kohl in sich zusammen. Friederike hatte es geahnt. Nur auf einer Platte dampfte ein Wildschweinbraten, garniert mit säuerlich in die Nase stechenden Kaldaunen. Wie jeden Mittag genügte Friederike ein Blick, um die Tafel abzuschätzen. Sofort wusste sie, wie viel jedes der Kinder erwarten konnte. An diesem Julimorgen des Jahres 1728 hatte ihr allerdings ein Lakai etwas krümeliges Brot aus der Hofbäckerei zugesteckt, so dass ihr Magen nicht so leer war wie sonst. Ihr dicker, sechsjähriger Bruder August Wilhelm, der immer neben dem Vater sitzen durfte, sagte unverdrossen fröhlich wie einen Abzählreim das Tischgebet herunter. Der König küsste sein Lieblingskind auf die breite Stirn und legte ihm eigenhändig ein Stück Fleisch auf den Teller. Beide begannen zu schmatzen.
Friederike spürte einen Rempler an ihrer linken Seite, und schon schob Lottine ihr die heiße Bratenportion derältesten Schwester Wilhelmine in die Hand, die wieüblich unter dem Tisch an den Bruder Friedrich weitergegeben werden sollte. Wenn der Vater nur nichts merkte.
Aber heute verzog sich sein massiges Gesicht nicht wie sonst so oft gleich zu Beginn des Essens zu einer finsteren Grimasse. Wohlwollend schaute der König auf seine Kinderschar, die wie bei einer Bürgersfamilie mit ihm und der erneut schwangeren Königin ohne großes Zeremoniell an einem nur mit Zinntellern gedeckten Tisch speiste. Friederike wusste, dass ganz Europaüber diesen Brandenburger Emporkömmling und seinen kümmerlichen Hof spottete. Ihre Mutter, die Tochter Georgs I. von England, sagte es ihr oft genug. Nicht nur, dass er selbst den wöchentlichen Speiseplan für Schloss Wusterhausen zusammenstellte und nur deftige Hausmannskost– noch dazu viel zu wenig– auftragen ließ, er feilschte auch um jeden Kreuzer, damit er noch mehr Monturen für noch mehr Soldaten kaufen konnte. Am Dresdner Hof dagegen wurden Schwalbennester aus China zu Suppen verkocht, um für die Sensation eines einzigen rauschenden Fests zu sorgen. Man trug dort Schwindel erregend hohe Türme aus Zuckermasse und Marzipan auf,über die man neuerdings auch in Versailles redete. Friederike hatte im Gegensatz zu den kleineren Geschwistern immerhin schon Konfekt gegessen, aber erst nachdem sie dreizehn geworden war und zu den Empfängen ihrer Mutter zugelassen wurde. Vor deren Boudoir und Spieltischen musste nämlich auch der Geiz des Vaters strammstehen.
»Ickerle, hör jetzt gut zu«, sagte der König und rülpste nach einem großen Schluck Bier.
 
»Mein liebes Ickerle, du machst deinen Vater nach seinem vielen Kummer mit der englischen Kanaille heut zu einem frohen Menschen, der sich endlich wieder an Gottes hellem Tag freuen kann.«
Die Lakaien blieben, die Vorlegegabeln noch in der Luft, reglos stehen. Die Königin riss die Augen auf und presste die rechte Hand auf ihren gewölbten Leib. Wilhelmine, der das Schimpfwort gegolten hatte, suchte panisch den Blick des Kronprinzen, an dessen Hals in Sekundenschnelle rote Flecken zu leuchten begannen.
Friederike legte langsam Messer und Gabel zur Seite und schaute den Vaterüber den Tisch hinweg stumm an. Sie fror vor Angst, aber man sah es ihr nicht an.
Der König bekam, noch bevor er weitersprach, feuchte Augen. Der Mann, der seine Töchter und Söhne mit Stuhlbeinen schlug, war gern und oft gerührt.
»Ich bin mir heut Morgen mit Hofmeister Herrn von Bremer, der die Verhandlungen für die verehrte Ansbacher Markgräfin führt,über alle Modalitäten und auch das Geld einig geworden.«
Der schwere Mann im schlichten dunkelblauen Uniformrock eines Obersten schnaufte noch einmal schwer ein und aus und fuhr dann fort.»Der Ehekontrakt kann nun also als ein schönes Stück Einigkeit unter uns Brandenburgern fixiert werden. Unser Haus muss wieder zusammenwachsen und Preußen im Süden des Reiches Ansehen gewinnen. Und du, Ickerle, sollst mir den ersten Enkel schenken…«
Der König verstummte, weil ihm jetzt die Tränen so heftig aus den Augen quollen, dass er sich in seine Serviette schnäuzen musste.
Ein pfeilspitzer Blick der Mutter durchbohrte Friederikes Gefasstheit. Mit Mühe hielt sie auf ihrem Stuhl die Balance. Ihre Hände klammerten sich an die Tischplatte. Ansbach also. Markgräfin von Ansbach. Friederike sagte nichts. Im Mund lag ihr ein Stück ledriger Kohl, und sie hatte bislang noch kein Fleisch bekommen.
»Ein guter Bursch soll er sein, der Ansbacher Vetter. Keiner von den Tagedieben mit seidenenÄrschen undäffischen, gottlosen Manieren, darum will ich ihn auch, wenn er herkommt, in mein Tabakskollegium einladen. Freilich hat der Ansbacher leere Taschen. Aber die werde ich ihm meinetwegen und deinetwegen stopfen.«
Der König lachte rau und trank wieder gierig aus seinem Krug, wobei er Friederike mit seinen winzig kleinen Augen fest im Blick behielt.
»Lutherisch musst du halt werden, weil sich die Vettern unten im Süden nie mit der viel gottgefälligeren Lehre Calvins, die uns
Für Roland6
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Gespräch mit der Autorin342
Dichtung und Wahrheit345
Literaturauswahl348