: Federica Cesco
: Muschelseide Roman
: Blanvalet Verlag
: 9783641012199
: 1
: CHF 2.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 417
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB/PDF
Nur widerwillig gibt das Meer der Erinnerungen sorgsam gehütete Geheimnisse frei ...

Exquisit verwebt Bestsellerautorin Federica de Cesco dramatische Spannung mit betörender Sinnlichkeit. Ein Zauber, dem ihre Leser schon seit langem verfallen sind!

Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt Beata Sforza, die als Meeresbiologin das rote Meer und den Pazifik erforschte, wieder zurück nach Malta, in das elegante Haus ihres vereinsamten Vaters, in dem die Schatten der Vergangenheit leise zu flüstern scheinen. Diesmal ist sie nicht der einzige Gast – nach langen Jahren schweigender Abwesenheit ist auch ihre Großtante Francesca heimgekehrt.

Als Beata von Francesca einen Schal aus kostbarer Muschelseide entgegennimmt, ist ihre Neugier geweckt. Sie ahnt, dass das tragische Schicksal ihrer Großmutter Cecilia damit verwoben ist. Doch Francesca hütet Cecilias Tagebuch wie ihren Augapfel. Beata begeistert sich spontan für das einzigartige Seidengewebe, das in den Tiefen des Meeres nur noch selten aufzuspüren ist. Ihre Leidenschaft als Forscherin ist geweckt. Mit Kazuo, einem japanischen Journalisten, begibt sie sich auf die Suche nach den seltenen Muscheln. Doch nur widerwillig gibt das Meer der Erinnerungen seine sorgsam verborgenen Geheimnisse frei. Und Beata erkennt, dass der Zauber der Muschelseide bis heute – und bis nach Japan wirkt ...

Federica de Cesco, geboren in der Nähe von Venedig, verbrachte ihre Kindheit in Italien, Eritrea, Deutschland und Belgien. Bereits mit sechzehn Jahren schrieb sie ihr erstes Jugendbuch, das sofort ein großer Erfolg wurde. Seitdem hat sie Millionen von Leserinnen begeistert. Wie keine Zweite versteht sie es, starke, selbstbewusste Figuren zu schaffen und großartige Panoramen fremder Kulturen zu entwerfen. Heute lebt sie mit ihrem Mann, einem japanischen Fotografen, in der Schweiz.

16. Kapitel (S. 160-162)

Ricardo fühlte sich nicht wohl. Herzrhythmusstörungen. Die Anfälle traten gelegentlich auf, waren harmlos, aber unangenehm. Er nahm sie leider als Vorwand, um nicht in den Country-Club zu gehen, und wurde dabei immer blasser und dicker. Da er krank aussah und unsicher auf den Beinen war, sagte ich ihm, er solle sich ausruhen. Er schluckte seine Tabletten und zog sich früh zurück. Als ich später mit Francesca zu Abend aß, hätte ich sie gern gefragt, ob sie etwas über die japanische Gedenksäule wusste. Vielleicht hätte ich Glück: Es gab Momente, in denen ihr die Worte glatt von der Zunge rollten, ohne dass sie sich sehr anzustrengen brauchte. Und wiederum andere, in denen sie nur ihre Arbeit im Kopf hatte und ein Gespräch mit ihr wenig Sinn hatte. Letzteres war gerade der Fall: Sie war übel gelaunt.

Sie fand die Suppe zu salzig, beklagte sich über den Rinderbraten – der tatsächlich zäh war – und rauchte, bis es auch mir den Appetit verdarb. Ich ließ sie beim Portwein allein. Am Morgen erschien Ricardo wie gewohnt zum Frühstück und ließ sich die Zeitung bringen. Francesca erkundigte sich schnodderig nach seinen Befinden. Er antwortete freundlich. »Danke, Francesca. Mir geht es wieder gut.« Sie beließ es dabei. Ihr Leben schien erfüllt zu sein, erfüllt von Dingen, von denen sie nicht sprach. Ich kannte sie wirklich nicht gut. Sie war eine Fremde, von weither gekommen. Manchmal genügte eine Kleinigkeit, ein falsches Wort, dass sie zornig wurde.

Zorn begriff ich, was mir an ihr nicht gefiel, war, dass sie die Menschen so leichtfertig kränkte. Doch war ich nicht einmal sicher, dass sie es bewusst darauf angelegt hatte. Offen bar machte ihr die Malerei zu schaffen. Ihre Knochen womöglich auch. Ich fragte Ricardo, ob er seine Tabletten genommen hatte. »Du solltest einen Spaziergang machen, so lange es noch kühl ist.« Er murmelte, dass er es sich überlegen wolle. Ich bewahrte meine Geduld, ein Nachklang aus der Zeit meiner Kindheit. Mein Vater war es gewohnt, dass man ihm gehorchte. Und wo blieb mein eigener Wille? Dass ich den Friedhof der Marine aufsuchen wollte, verschwieg ich ihm. Kazuo wartete vor dem Eingang seines Hotels. Ich hielt ein paar Schritte von ihm entfernt und beugte mich aus dem Fenster. »Schnell, ich darf hier eigentlich nicht halten!«

Ich fuhr rasch an, bog korrekt ab und reihte mich in den Verkehr ein. Es war halb acht, Fahrzeuge und Abgaswolken erfüllten den Platz. Vor den stinkenden Inselbussen standen die Menschen geduldig Schlange. Langmut und Disziplin war das britische Erbe Maltas. Überall, nur nicht auf der Fahrbahn. »Ich stelle fest«, sagte Kazuo, »dass es hier morgens genauso gefährlich ist wie abends.« »Wir sind eben ein mordlustiges Volk«, erwiderte ich fröhlich. »Ich werde dir mal unsere ›Experience-Keller‹ vorführen, Maltas Geschichte als Horrortrip. Die Belagerungen, die Gefängnisse, die Folter und die Hinrichtungen. Realistisch bemalte Leichen und Körbe voller abgehackter Köpfe, Hände und Füße. Alles akkurat aus Wachs nachgebildet. Die Touristen finden es toll.«
Prolog8
1. Kapitel10
2. Kapitel20
3. Kapitel28
4. Kapitel43
5. Kapitel50
6. Kapitel64
7. Kapitel74
8. Kapitel82
9. Kapitel87
10. Kapitel96
11. Kapitel111
12. Kapitel122
13. Kapitel129
14. Kapitel145
15. Kapitel157
16. Kapitel161
17. Kapitel175
18. Kapitel182
19. Kapitel195
20. Kapitel214
21. Kapitel223
22. Kapitel237
23. Kapitel259
24. Kapitel280
25. Kapitel296
26. Kapitel306
27. Kapitel313
28. Kapitel322
29. Kapitel330
30. Kapitel334
31. Kapitel340
32. Kapitel351
33. Kapitel354
34. Kapitel365
35. Kapitel380
36. Kapitel395
37. Kapitel403
38. Kapitel410
Ein Ende und ein Neuanfang414