Feuer bitte Roman
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Christine Grän
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Feuer bitte Roman
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C.Bertelsmann Verlag
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9783641012090
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1
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CHF 3.60
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Spannung
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German
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257
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Wasserzeichen
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PC/MAC/eReader/Tablet
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ePUB
Ein toter Liebhaber, ein Selbstmord, der vielleicht keiner war, und schmutzige Intrigen in Brüssel – ein neuer Fall für Anna Marx.
Anna Marx, ehemalige Klatschreporterin und nun Privatdetektivin in Berlin, ist nicht kleinzukriegen. Dabei scheint sie Probleme magisch anzuziehen. Diesmal in Form eines toten Anwalts, der in Brüssel als Lobbyist für die Tabakindustrie Geld scheffelt und viele schmutzige Geheimnisse von Politikern kennt. Annas Problem: Der Tote war auch ihr Liebhaber, und er wurde in ihrer Wohnung mit ihrem Baseballschläger erschlagen …
Christine Grän gehört seit Romanen wie »Die Hochstaplerin« und »Hurenkind« zu den erfolgreichsten deutschen Autorinnen. In den 80er Jahren hat sie mit Anna Marx einen der ersten weiblichen Detektive in der deutschen Kriminalliteratur geschaffen. Eine Fernsehserie folgte – und eine lange Pause, bis die Detektivin mit »Marx, my love« wieder zum Leben erweckt wurde. Die Autorin lebt in München.
15. Kapitel
(S. 133-134)
Trauer ist unteilbar und braucht doch Gesellschaft. Anna vergiftet sich qualmend und schwört Sibylle, dass sie nie wieder eine Zigarette rauchen wird. Ab morgen. Nie mehr schlemmen oder teure Schuhe kaufen. Wie ein Schwamm ist sie mit Vodka voll gesogen und fühlt sich mit jedem Glas nüchterner. Sie ist eine harte Prüfung für die Familie, die ihren seltsamen Trost reichlich spendet und Annas Wiederholungen klaglos in Kauf nimmt.
»Er war ohnehin nicht der Richtige«, sagt Freddy, unterstützt von Fjodor, der von einem Berufskiller faselt, er habe einen auf der Straße gesehen, und einen Killer erkenne er von weitem, schon an der Matrix-Sonnenbrille. Sibylle gießt Vodka und Wasser nach und füttert Anna mit frittierten Sardinen. Die Gäste im »Mondscheintarif« sind die unbeteiligte Trauergemeinde, die an diesem Abend ebenfalls leidet, weil der Service miserabel ist. Ein Toter steht im Raum, und die Zeit steht still, begleitet von indischer Musik, die wie das melodische Jaulen von Katzen klingt.
Der Aushilfskellner, der eigentlich Anglistik studiert und am liebsten Päderast wäre, wogegen vor allem seine Feigheit spricht, zitierte Auden: Die Sterne braucht es jetzt nicht: löscht das Licht ihnen allen, den Mond packt ein und die Sonne lasst fallen, gießt den Ozean aus und den Wald reißt ein: Von jetzt an kann nichts mehr von Gutem sein. »Er war nicht gut«, sagt Fjodor, und Sibylle genießt ihren bösen, kleinen Gedanken, dass sie Anna nun wieder für sich allein hat. Sie trägt Jonathan in die Küche, ein Ort, an dem ihr Kind jegliches Weinen einstellt. Immer, seit sie die magische Formel gefunden hat.
Ob es an dem depressiven koreanischen Koch liegt, den Jonathan offenbar instinktiv schont, an der Wärme oder an den Gerüchen, sie weiß es nicht. Nur, dass er in seinem Schaukelkorb sitzt, vor sich hin lächelt und einschläft. Vodoo, Zen-Buddhismus, was auch immer, es ist ihr egal. Nur die Stille zählt, und wenn die Küche sein Paradies ist, soll er es haben, zumal Freddys Freund als Babysitter ausgefallen ist. Eine plötzliche Erkrankung, und natürlich dachte sie sofort an Aids und Ansteckungsgefahren. Sie ist eine hysterische Mutter, die alles vergessen hat, was früher leicht und leichtfertig war.
Annas Todesfall ist ein Ereignis, das Sibylle aus ihrem windelverseuchten Trott holt. Die Ablenkung, die sie braucht, um sich wieder lebendig zu fühlen. Sie ist Martin Liebling nie begegnet, sie mochte ihn nicht, was kein Grund wäre, ihm den Tod zu wünschen. So rücksichtslos von ihm, sich in Annas Wohnung ermorden zu lassen! Sibylle, auf dem Weg von der Küche in den Gastraum, beginnt zu lachen. Leise erst, und dann immer lauter, sodass sie stehen bleibt, von Lachen geschüttelt. Sie sollte das nicht denken, doch ja, sie ist glücklich. Zum ersten Mal seit der Mutterschaft hat sie das Gefühl, frei zu sein. Jemand anderer ist gestorben.
1. Kapitel
6
2. Kapitel
13
3. Kapitel
22
4. Kapitel
31
5. Kapitel
39
6. Kapitel
48
7. Kapitel
58
8. Kapitel
67
9. Kapitel
77
10. Kapitel
82
11. Kapitel
88
12. Kapitel
98
13. Kapitel
106
14. Kapitel
120
15. Kapitel
134
16. Kapitel
140
17. Kapitel
147
18. Kapitel
156
19. Kapitel
165
20. Kapitel
174
21. Kapitel
185
22. Kapitel
190
23. Kapitel
201
24. Kapitel
210
25. Kapitel
221
26. Kapitel
231
27. Kapitel
240
28. Kapitel
249
29. Kapitel
252