: Ira Miller
: Die Herrin Roman
: Heyne Verlag
: 9783894809591
: 1
: CHF 5.40
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: Erzählende Literatur
: German
: 235
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Tabulos, erotisch, spannend!

Tagsüber spielt Carla Peters die treu sorgende Ehefrau – sie fährt ihren Mann zum Zug und geht mit ihrer Enkelin auf den Spielplatz. Doch der Schein trügt, denn Carla führt ein Doppelleben. Als Domina unterwirft sie die Männer. Da gerät sie ins Visier eines skrupellosen Verfolgers, dem sie hilflos ausgeliefert ist.

Ira Miller schreibt seit über 20 Jahren Drehbücher, Romane und Artikel für berühmte Zeitschriften. Er ist bekannt für die hohe literarische Qualität seiner erotischen Romane. Bereits sein erster erotischer Roman"Die gelehrige Schülerin" erschien mit großem Erfolg im Heyne Verlag.

2 (S. 20-21)

Der Wohnblock, in dem Carla arbeitete, lag weit außerhalb der Gegend, in der sie lebte. Sie arbeitete in einem Apartment und keinem einzeln stehenden Haus, da es verdächtig gewirkt hätte, wenn zu viele Autos davor geparkt hätten. Allerdings hätte die Besitzerin des Wohnblocks, Lorraine, sowieso keine Probleme bekommen, da die meisten Polizisten auf ihrer Gehaltsliste standen. Doch in diesem Geschäft schätzte jedermann höchste Diskretion.

Carla fuhr mit dem Wagen in die Garage und parkte den Mercedes auf dem Parkplatz, der für sie jeden Dienstag und Donnerstag reserviert war. Mit dem Koffer in der Hand eilte sie zum Aufzug und fuhr in den elften Stock hinauf. Dort stieg sie aus, ging an mehreren Wohnungseingängen vorbei, bog um die Ecke und blieb dann vor einer versperrten, fensterlosen Metalltür stehen.Über ihr in einer Ecke des Flurs war die kleinste Videokamera angebracht, die sie jemals zu Gesicht bekommen hatte. Sie sah noch nicht einmal wie eine Kamera aus, sondern wirkte eher wie ein Teil einer Sprinkleranlage.

Ein Surren ertönte, und Carla zog die schwere Tür auf. Sie ging ein paar Stufen nach oben und befand sich dann im zwölften Stock. Auch dort gab es eineähnliche Tür aus Metall und denselben Typ von Kamera in der Ecke. Wieder ließ man sie durch ein Surren hinein. Ein großer Mann mit rasiertem Kopf und einem 3000-Dollar-Armani-Anzug saß an einem Tisch vor mehreren Videomonitoren, die ihm zeigten, was im elften und im zwölften Stock vor sich ging. Er nickte ihr zu. Ein schweres Goldarmband baumelte locker um sein linkes Handgelenk. Carla wusste, dass er irgendwo eine Waffe versteckt hatte, die er ihres Wissens nach hier noch niemals gebraucht hatte. Wahrscheinlich war mehr bei ihrer Reinigung los, die viermal die Wocheüberfallen wurde, als in den Wänden dieses Apartments. Der Typ hieß Jack. Er hatte sich bisher noch nie an eine der»Ladys«, wie Lorraine ihre Damen nannte, herangemacht, und sie bemühten sich alle darum, sich mit ihm gut zu stellen.

Der Flur, der vor ihr lag, sah wie alle Flure in diesem fünfzehnstöckigen Gebäude aus. Die meisten Bewohner des Blocks wussten wahrscheinlich nicht einmal, dass sich im zwölften Stock Zimmer befanden, denn der Lift fuhr hier durch. Carla ging weiter.

Zu ihrer Rechten befanden sich fünf Türen, die sehr nahe nebeneinander lagen. Es handelte sich um die Eingänge für die Kunden zu den Privaträumen. In jedem Zimmer gab es ein Bett, ein Bad, eine Sitzgruppe mit einer Bar und eine Tür auf der gegenüberliegenden Seite, durch die die Damen eintraten und sich auch wieder entfernten. Auf der linken Seite des Flurs waren drei Türen zu sehen, die weit auseinander lagen. Hier befand sich Lorraines großzügig angelegte Wohnung, in der außerdem ein Büro mit fünf Videomonitoren– einer für jedes Zimmer– zu finden war. Keiner der Kunden wusste, dass die Räumeüberwacht wurden. Aber auch hier ging es Lorraine vor allen um den Schutz ihrer Ladys. Sie wollte nicht, dass jemand total außer Kontrolle geriet, und außerdem machte das Gerücht die Runde, dass ein Kunde für sehr viel Geld die Videos derüberwachten Räume auch ansehen konnte. Die vielen wohlhabenden Kunden stellten sowieso selten ein Problem dar, denn sie hatten ihren eigenen Ruf, den es zu schützen galt. Sie respektierten Lorraines Einrichtung als das beste»Haus« auf Long Island, wenn es darum ging, ihre Intimsphäre nicht verletzt zu sehen und das zu bekommen, was sie suchten– ohne Probleme und zur vollen Zufriedenheit. Dennoch waren die Damen allesamt froh, dass ihnen die Videokameras zusätzliche Sicherheit boten.

Carla ging an der zweiten Tür auf der linken Seite vorbei. Es war der Eingang zu einem großen Wartezimmer undüppig ausgestatteten Partyraum, der gewöhnlich dazu benutzt wurde, Geschäftsleute zu unterhalten. Sie wandte sich der letzten Tür zu, hinter der sich der Aufenthaltsraum der Damen befand. Es war eigentlich eine kleine Wohnung mit drei Zimmern, von denen zwei zum Umziehen benutzt wurden. Außerdem gab es eine Küche und für jede Lady genug Platz, um ihre Kleider und all das zu verstauen, was sie bei sich hatte.

Zwei Damen saßen bereits vor dem Fernseher und schauten sich einen Videofilm an. Sie hatten gerade Pause, nachdem sie die Morgenschichtübernommen hatten. Die beiden nickten Carla zu. Es herrschte zwar ein gewisser verbindlicher Ton untereinander, aber Lorraine schätzte Verschwiegenheit. Man hielt sich daran: Alle kannten sich nur unter ihrem Vornamen, und niemand– weder die Ladys noch die Kunden– trafen sich außerhalb dieses Etablissements. Einige der Frauen hatten sich wie Lorraine von der Straße hochgearbeitet. Die meisten finanzierten mit dem hier verdienten Geld ihre Familien, doch einige waren wie Carla normale, gut situierte Hausfrauen. Wenn es erforderlich war, konnte Lorraines Haus einen Anstrich von Gepflegtheit vermitteln. Auf jeden Fall wollte niemand diesen Job verlieren. Das Gute war nämlich, dass keine der Frauen Sex mit den Kunden hatte.

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Über das Buch4
Über den Autor5
Inhaltsverzeichnis6
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