Medien, Aneignung und Identität 'Stars' im Alltag jugendlicher Fans
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Claudia Wegener
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Medien, Aneignung und Identität 'Stars' im Alltag jugendlicher Fans
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VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
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9783531908335
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1
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CHF 32.50
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Kommunikationswissenschaft
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German
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408
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Medienstars und -sternchen sind oftmals die Vorbilder heutiger Jugendlicher. Welche Rolle diese populären Bezugspersonen tatsächlich im Lebensalltag ihrer Fans spielen, zeichnet das Buch anschaulich und differenziert nach. Vor dem Hintergrund eines Modells medialer Beziehungen wurde mittels eines komplexen methodischen Designs untersucht, wer die Idole der Jugendlichen sind, welche Bedeutung Jugendliche diesen medialen Bezugspersonen zuweisen, welche Umgangs- und Aneignungsformen sie ihnen gegenüber entwickeln und welchen Nutzen jugendliche Fans aus 'medialen Beziehungen' ziehen. Dass die Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Medienfiguren durchaus konstruktiv zur Selbstbildung im Sinne eines Identitätsgefühls bzw. zur Identitätskonstruktion beitragen kann, belegen ausführliche Interviews mit 13-18jährigen Fans.
Dr. habil. Claudia Wegener ist Professorin für Kinder- und Jugendkultur im Studiengang 'Medienwissenschaft: Analyse, Ästhetik, Publikum' an der Hochschule für Film und Fernsehen 'Konrad Wolf' Potsdam-Babelsberg.
1. Einführung: Stars, Idole, Vorbilder, Helden – Zur Konnotation medialer Bezugspersonen
(S. 15)
Sofern es darum geht, das Verhältnis Jugendlicher zu medialen Bezugspersonen zu beschreiben, finden sich unterschiedliche Begriffe, mit denen entsprechende Personen belegt werden. Sie werden ebenso als Stars und Idole bezeichnet wie auch als Vorbilder. Die Bedeutung, die dem Objekt der jeweiligen Mediananeignung damit zugeschrieben wird, ergibt sich oftmals eher aus der Sicht des Betrachters als aus derjenigen des zu Beschreibenden.
Die von außen an das Phänomen ‚mediale Bezugspersonen’ herangetragenen Begriffe betonen mitunter unterschiedliche Perspektiven der Medienbeziehungen und fragen – wenn überhaupt – nur im Kontext der bereits vorgegebenen Begrifflichkeiten nach subjektiven Lesarten.
Zweifelsohne führen Fragen wie »Hast du einen Medienstar?« oder »Gibt es eine Person in den Medien, die du als dein Vorbild bezeichnen würdest?« die jugendlichen Befragten im Rahmen empirischer Erhebungen in eine bestimmte Richtung und legen Konnotationen nahe, die das Verhältnis zu Medienpersonen möglicherweise nur ausschnitthaft, unzureichend oder aus der Sicht jugendlicher Fans gar falsch interpretieren.
Darüber hinaus ist die unterschiedliche Verwendung entsprechender Begrifflichkeiten kontraproduktiv, wenn es darum geht, Forschungsergebnisse einzelner Jugendstudien miteinander zu vergleichen. Sofern in empirischen Studien überhaupt mediale Bezugspersonen thematisiert werden, wird nach Vorbildern, Idolen oder Stars gefragt.
Ob dies aus Unwissenheit heraus geschieht, aus einem vermeintlich sicheren Vorverständnis oder tatsächlich aus der Schwierigkeit, einen weitgehend neutralen Begriff zu finden, muss offen bleiben. Die Ausführungen anderer Autoren zeigen die bisweilen synonyme Verwendung der Begrifflichkeiten, wenn gar in einem einzigen Absatz von Idolen, Vorbildern und Helden die Rede ist: »Nicht einmal mehr die Angebote der professionellen Idolfabriken, allen voran Hollywood, sind verlässlich.
Zwar produzieren sie Vorbilder wie am Fließband, Heldinnen und Helden in allen Gewichtsklassen, längst auch digitale, doch ist deren Haltbarkeit im Allgemeinen sehr begrenzt, tauglich für die eine oder andere Saison, konsumierbar, austauschbar und, offensichtlicher denn je, unvollkommen und fehlerhaft« (Flessner 2001, S. 148).
Nicht nur, dass Vorbilder hier mit Heldinnen und Idolen gleichgesetzt werden – freilich ist dies möglich, ein differenzierterer Umgang mit den entsprechenden Begriffen würde aber deren unterschiedliche Facetten sichtbar machen und damit wohl auch den jeweiligen Rezipienten in ihren Ansprüchen und Bedürfnissen gerechter werden –, auch geht diese Diktion von einer »Machbarkeit« der jeweiligen Phänomene aus, die den Rezipienten als autonom handelnden und sich seiner Bedürfnisse durchaus bewussten Menschen außer Acht lässt.
Zweifelsohne lassen sich Unvollkommenheit und Fehlerhaftigkeit hier nur aus einer normativ besetzten An- spruchshaltung heraus konstatieren, welche die so häufig proklamierte Vorstellung vom richtigen Vorbild voraussetzt.
Mit welchen Bedeutungen die jeweiligen Begriffe nunmehr aber versehen werden und welche Lesarten mit ihnen verbunden sind, sollen die folgenden Ausführungen zeigen. Dabei soll auch ihre Ambivalenz herausgestellt werden, um die Unschärfe der jeweiligen Begriffe aufzuzeigen und deutlich zu machen, welche Bedeutungszuweisungen, Sinnkonstruktionen und Lesarten überhaupt in medialen Beziehungen angelegt sind.
Freilich geschieht dies in dem Bewusstsein, dass es sich bei der im Folgenden vorgenommen Differenzierung um ein theoretisches Konstrukt handelt, da die Unterscheidung zwischen Vorbildern, Idolen, Stars und Helden ein abstraktes Vorgehen ist und die Verwendung der Begriffe in der Regel auf subjektiven Interpretationen der jeweiligen Autoren basiert, nicht aber auf systematischen Ableitungen oder gar empirischen Erhebungen.
Inhalt
5
Verzeichnis der Tabellen
10
Verzeichnis der Abbildungen
11
Vorwort
13
1. Einführung: Stars, Idole, Vorbilder, Helden – Zur Konnotation medialer Bezugspersonen
15
2. Identität und Medienaneignung
35
2.1 Jugend und Medien
35
2.2 Zur Konstruktion von Identität
40
2.3 Medienaneignung
50
2.4 Zusammenführung
70
3. Forschungsdesign und Erhebungsmethoden
77
3.1 Quantitative Datenanalyse
78
3.2 Inhaltsanalyse
80
3.3 Online-Befragung
84
3.4 Leitfadeninterviews
87
4. Mediale Bezugspersonen im Jugendalter
93
5. Zur Repräsentation medialer Bezugspersonen
117
5.1 »Brit ist jetzt lieber Hausfrau als Popstar« – Weiblichkeit als Bestätigung traditioneller Klischees
119
5.2 »Die große Liebe sucht Robbie noch« – Männlichkeit zwischen Machismo und Selbstzweifeln
125
5.3 »Bezaubernde Jeanie« – Identität zwischen Mädchen und Frau
131
5.4 »Der böse Rapper Eminem« – Leben zwischen Liebe und Hass
137
5.5 Zusammenfassung
143
6. Popkultur und ihre Fans – Medienbeziehungen im Vergleich
147
6.1 Struktur des Online-Samples
147
6.2 Fanstruktur im Vergleich
152
6.3 Aneignungsmodi
156
6.4 Subjektive Lesart
161
6.5 Selbstwahrnehmung und Identifikation
166
6.6 Zusammenfassung
174
7. Aneignung im Lebensalltag
183
7.1 Anna: »Jeanette ist mein Leben«. Die mediale Bezugsperson als große Liebe
184
7.2 Jan: »Meine Oma sogar, hört die auch«. Die mediale Bezugsperson als Bestätigung des Gegenwärtigen
206
7.3 Thomas: »Ja, ich würde von ihm schon Ratschläge annehmen«. Die mediale Bezugsperson als situative Entlastung
230
7.4 Meike: »Meine Eltern waren genauso, die haben sich auch hinterher getrennt « . Eminem als biografisches Gegenüber
258
7.5 Tina: »Ich muss sie ja gut finden und nicht meine Mutter«. Die mediale Bezugsperson als Vehikel zum Erwachsenwerden
280
7.6 Hannah: »Ich liebe Musik, also, ich lebe dafür«. Die mediale Bezugsperson als Karrieremuster
308
7.7 Max: »Ich bin jetzt nicht so einer derjenigen, die Robbie Williams kopieren wollen « . Die mediale Bezugsperson als spielerische Darstellung von Omnipotenz
331
7.8 Sophie: »Also, ich find’ ihn sexy«. Die mediale Bezugsperson als erotisches Gegenüber
348
7.9 Zusammenfassung und Vergleich
370
8. Mediale Bezugspersonen und Identitätskonstruktion – ein Resümee
379
8.1 Mediale Bezugspersonen in pluralen Lebenswelten
379
8.2 Mediale Bezugspersonen und Identitätsbildung
382
8.3 Konsequenzen für medienpädagogisches Handeln
386
8.4 Ausblick
391
9. Anhang
395
Anhang 1: Online-Fragebogen
395
Anhang 2: Interview-Leitfaden
400
Anhang 3: Star-Biografien
405
Literatur
411