: Heinz-Dieter Hardes, Heiko Wickert
: Praxisbeispiele zur Erfolgs- und Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter
: Rainer Hampp Verlag
: 9783879888290
: 1
: CHF 17.60
:
: Betriebswirtschaft
: German
: 216
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Finanzielle Erfolgs- und Kapitalbeteiligungen der Mitarbeiter sind bislang in deutschen Unternehmen ? im Vergleich zu Großbritannien und Frankreich ? weniger verbreitet. Gleichwohl konnte in den 90er Jahren eine Zunahme dieser monetären Beteiligungssysteme in der nationalen Unternehmenspraxis beobachtet werden.

Auf der Basis von betrieblichen Fallstudien in großen deutschen Industrieunternehmen werden diverse Formen und Beispiele von praktizierten Erfolgs- und/ oder Kapitalbeteiligungsprogrammen beschrieben und analysiert.

Die Auswahl der finanziellen Beteiligungsmodelle erfolgte in einer breiten begrifflichen Abgrenzung: Sie umfasst Varianten der periodischen Erfolgsbeteiligung (Bonussysteme), investive Formen der Vermögensbildung bzw. Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter, Formen der Entgeltumwandlung zur betrieblichen Altersvorsorge sowie die Kapitalisierung von Zeit-Werten für Mehrarbeit. Überdies wurden mit Aktienoptionsplänen gezielte Beteiligungsprogramme für Führungskräfte untersucht, die primär eine strategische Ausrichtung der Unternehmenspolitik im Sinne einer verstärkten Wertorientierung bewirken sollen.

Das Buch liefert insgesamt einen Überblick über die Vielfalt der unterschiedlichen Systeme der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung, die in deutschen Industrieunternehmen umgesetzt wurden. Es richtet sich an Wissenschaftler sowie gleichermaßen an Praktiker der betrieblichen Entgeltpolitik in den Unternehmen.

D e Autoren

Prof. Dr. Heinz-Dieter Hardes, geb. 1944, Professor an der Universität Trier, Fachbereich IV ? Volkswirtschaftslehre, Schwerpunkt: Arbeit/Personal/Organisation, 54286 Trier.

Dr. Heiko Wickert, geb. 1971, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Trier, Fachbereich IV ? Volkswirtschaftslehre, Schwerpunkt: Arbeit/Personal/ Organisation, 54286 Trier.
3. Nationale Rahmenbedingungen von Systemen der finanziellen Mitarbeiter-Beteiligungen (S. 7-9)

Im Rahmen des nationalen Untersuchungsteils des Forschungsprojekts soll nach institutionellen Rahmenbedingungen gefragt werden, welche besondere Motive für eine Einführung von Systemen der monetären Mitarbeiter-Beteiligung begründen und insofern als begünstigende institutionelle Faktoren deren Implementierung bzw. Verbreitung fördern. Eine der wenigen für Deutschland verfügbaren empirischen Erhebungen zu den Beweggründen einer Einführung von materiellen Beteiligungsformen der Mitarbeiter weist u.a. auf eine maßgebliche Bedeutung von finanzwirtschaftlichen Implementierungsmotiven hin. Die finanzwirtschaftlichen Effekte von Mitarbeiter-Beteiligungen betreffen dabei aus der Sicht nationaler Beteiligungsunternehmen insbesondere positive Liquiditätswirkungen, eine Stärkung der Eigenkapitalbasis sowie fiskalische Ersparnisse (vgl. von Rosen/Leven 2000, 1). Diese finanzwirtschaftlichen Beweggründe für die Umsetzung von monetären Formen der Mitarbeiter-Beteiligung lassen offenbar einerseits auf ein Finanzsystem schließen, dessen Strukturen die Liquiditäts- bzw. Eigenkapitalversorgung des Unternehmenssektors erschweren. Andererseits implizieren Steuerersparnisse vorteilhafte fiskalgesetzliche Regelungen zu Gunsten dieser Entgeltvarianten. Weiterhin erfährt die betriebliche Altersversorgung in Deutschland durch die Rentenreform 2001 eine Ergänzung der gegenwärtig vorherrschenden internen Durchführungsformen der betrieblichen Alterssicherung durch externe, d.h. kapitalmarktbezogene, Finanzierungsalternativen des Vorsorgekapitals. Diese jüngsten gesetzlichen Neuregelungen im Bereich der betrieblichen Alterversorgung können insofern als eine günstige institutionelle Rahmenbedingung für investive Beteiligungsformen in Deutschland betrachtet werden. Schließlich basiert die Umsetzung von monetären Beteiligungsprogrammen der Mitarbeiter in Deutschland regelmäßig auf Betriebsvereinbarungen der Mitbestimmungsakteure, da diese Entgeltformen kaum von tarifvertraglichen Regelungen erfasst werden. Insofern ist ein einvernehmliches Abkommen zwischen betrieblichen Arbeitnehmervertretungen und Unternehmensleitung für die Einführung von Beteiligungssystemen erforderlich. Daher ist gleichfalls zu fragen, inwieweit die spezifischen (mikro-korporatistischen) nationalen Arbeitsbeziehungen eine fördernde Wirkung auf die Implementierung von materiellen Beteiligungsmodellen ausüben.

In den Folgeabschnitten werden nunmehr die Einflüsse der genannten institutionellen Rahmenbedingungen auf die betriebliche Einführungsentscheidung von finanziellen Mitarbeiter- Beteiligungssystemen näher analysiert. Das Ziel hierbei ist es zu prüfen, inwiefern die Einführung bzw. Verbreitung von monetären Beteiligungsformen – ähnlich wie in den Vergleichsländern Großbritannien und Frankreich – durch ein politisch-gesellschaftliches Umfeld gestützt werden.

3.1 Das nationale Finanzsystem als institutioneller Kontextfaktor bzw. Funktionsbedingung finanzieller Mitarbeiter-Beteiligungen

In der Literatur werden Finanzsysteme konzeptionell in mindestens drei Subelemente unterteilt, anhand deren spezifische Ausprägungen differenzierte Modelle von Finanzsystemen im internationalen Vergleich unterschieden werden können (vgl. Berglöf 1997, 151 f.; Schmidt 1999, 9 ff.; Schmidt/Hackethal/Tyrell 2001, 7 ff.). Dabei handelt es sich zunächst um die Strukturmerkmale des finanziellen Sektors, worunter vor allem die Geschäftsbeziehungen zwischen Banken und Kapitalmärkten auf der einen Seite sowie den nichtfinanziellen Unternehmen auf der anderen Seite verstanden werden. Je nach Gewichtung dieser Beziehungen nimmt dieses Subsystem die Ausprägung „kapitalmarktdominiert" oder „bankendominiert" an (vgl. Schmidt 1999, 10 f.). Sodann sind Finanzsysteme durch bestimmte Finanzierungsmuster der Akteure gekennzeichnet, die vorrangig durch das Anlage- und Finanzierungsverhalten der Wirtschaftssubjekte determiniert werden. Diesbezüglich erfolgt eine Klassifizierung in „bankorientierte" bzw. „kapitalmarktorientierte" Finanzierungsmuster (vgl. Berglöf 1997, 153 ff.; Schmidt 1999, 11). Schließlich besteht ein weiteres konstitutives Element von Finanzsystemen in den formalen und informellen Regelungen zur corporate governance. Hiermit werden Mechanismen bezeichnet, über die bestimmte Anspruchs- bzw. Interessengruppen den unternehmerischen Entscheidungsprozess beeinflussen und kontrollieren. Grundsätzlich werden „insider-kontrollierte" und „outsiderkontrollierte" corporate governance-Systeme unterschieden (vgl. Berglöf 1997, 159; Schmidt 1999, 12; Schmidt/Hackethal/Tyrell 2001, 21 f.) (vgl. Abb. 3).

Quelle: Eigene Erstellung, in Anlehnung an Schmidt 1999, 10.
(Die Abbildung ist kein Bestandteil der Leseprobe)

Im Rahmen des erstgenannten Subsystems erfolgt die Lenkung der Firmenaktivitäten und die Überwachung des Managements mit Hilfe von Mechanismen, die einen privilegierten Zugriff auf Informationen und die Fähigkeit der Einflussnahme voraussetzen. „Insider" sind folglich Akteure, welche mit den Unternehmensvorgängen vertraut und möglicherweise sogar persönlich involviert sind, ohne jedoch direkte unternehmensbezogene Entscheidungsbefugnisse zu besitzen (vgl. Schmidt 1999, 12; Schmidt/Hackethal/Tyrell 2001, 21 f.). In corporate governance-Systemen unter outsider-Kontrolle hingegen bestimmen im Wesentlichen die Preissignale der Kapital- und Finanzmärkte die Strategien und Aktivitäten der Unternehmen bzw. des Managements.
Hardes, Heinz-Dieter, Jahrgang 1944, Studium der Volkswirtschaftslehre in Münster/Westfalen; Promotion zum Dr. rer. pol. 1971, Universität Münster; wiss. Assistent an der Universität Augsburg 1970 - 1980; Habilitation für das Fach VWL 1979 in Augsburg; seit 1980 Professor für VWL, insbesondere Arbeit/Personal/Organisation, im WiSo-Fachbereich der Universität Trier;§§Schwerpunkte in Lehre und Forschung: Arbeitsmarktökonomie, Industrieökonomie, Außenwirtschaft, Beschäftigungspolitik in Europa, Entgeltsysteme.
Inhaltsverzeichnis6
Abbildungsverzeichnis10
Tabellenverzeichnis12
Abkürzungsverzeichnis13
Vorwort der Autoren16
1. Einleitung18
2. Beteiligungsunternehmen in Deutschland18
2.1 Typische Unternehmensmerkmale im Querschnittsvergleich19
2.2 Nationale versus internationale Strukturmerkmale von Beteiligungsunternehmen21
2.3 Kurzfassung der empirischen Merkmale23
3. Nationale Rahmenbedingungen von Systemen der finanziellen Mitarbeiter-Beteiligungen24
3.1 Das nationale Finanzsystem als institutioneller Kontextfaktor bzw. Funktionsbedingung finanzieller Mitarbeiter-Beteiligungen25
3.2 Exkurs: Veränderte Strukturen der Unternehmensfinanzierung durch risikosensitivere Kapitalanforderungen des Bankensektors (Basel II)29
3.3 Die steuerliche Förderung von Systemen der finanziellen Mitarbeiter-Beteiligung in Deutschland31
3.4 Neuere Entwicklungen der betrieblichen Altersversorgung33
3.5 Die nationalen Arbeitsbeziehungen38
4. Typisierung von betrieblichen Beteiligungssystemen45
4.1 Relevante Unterscheidungsmerkmale46
4.2 Zum Beteiligungscharakter der betrieblichen Fallbeispiele50
5. Die Falluntersuchungen in nationalen Beteiligungsunternehmen67
5.1 Periodische Bonussysteme: Das Beispiel eines Stahlunternehmens68
5.1.1 Beschreibung des Bonusprogramms68
5.1.2 Die Sicht der Mitarbeiter eines Einzelunternehmens75
5.1.3 Analyse und Beurteilung82
5.1.3.1 Instrument der innerbetrieblichen Steuerung und Kommunikation83
5.1.3.2 Motivationstheoretische Aspekte89
5.1.3.3 Überlegungen zur Systemgestaltung94
5.1.4 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen95
5.2 Investive Beteiligungsformen und betriebliche Systeme der Altersvorsorge97
5.2.1 Fallbeispiele zur betrieblichen Altersvorsorge in aus- gewählten Großunternehmen98
5.2.2 Vergleichende Analyse der Anpassungsreaktionen der Unternehmen auf neue gesetzliche Rahmenbedingungen111
5.2.3 Einschätzungen der Fallbeispiele zur betrieblichen Altersversorgung115
5.2.3.1 Ausbau investiver kapitalmarktbezogener Beteiligungssysteme?115
5.2.3.2 Risikoüberlegungen118
5.2.3.3 Institutionelle Einflussfaktoren122
5.2.4 Gesamteinschätzung der Fallbeispiele und Perspektiven der Systeme betrieblicher Altersvorsorge124
5.3 Sonderfall: Investives Zeit-Wert-Sparen und Entgeltumwandlung127
5.3.1 Unternehmensbezogenes Fallbeispiel127
5.3.2 Mitarbeiterbefragung zum Zeit-Wertpapier133
5.3.3 Zur Gestaltung von Systemelementen des Zeit-Wertpapiers140
5.3.4 Integration des Vorsorgesparens per Entgeltumwandlung143
5.4 Mitarbeiter-Aktien und unternehmensexterne Investmentangebote: Betriebliche Mitarbeiter-Beteiligungen zur Bildung von finanziellem vermögens- und personalpolitischem Vertrauenskapital?144
5.5 Gestaltungskonzeptionen der investiven Mitarbeiter-Beteiligungen und empirische Systembewertungen145
5.5.1 Fallbeispiel unabhängiger interner und externer Angebote der Kapitalbeteiligung145
5.5.1.1 Das Mitarbeiter-Aktien-Programm146
5.5.1.2 Das Angebot einer externen Investmentfonds-Beteiligung147
5.5.1.3 Zielfunktionen der investiven Mitarbeiter-Beteiligungen: Empirische Befunde aus Unternehmens- und Arbeitnehmerperspektive149
5.5.1.4 Die Sicht des Unternehmens149
5.5.1.5 Die Sicht der Mitarbeiter150
5.5.2 Fallbeispiel eines konditionierten fonds- und aktienbezogenen Beteiligungssystems154
5.5.2.1 Das Mitarbeiter-Aktien-Programm155
5.5.2.2 Das Angebot einer externen Investmentfonds-Beteiligung155
5.5.2.3 Zielfunktionen der investiven Beteiligungssysteme: Einschätzungen von Managementexperten157
5.5.3 Fallbeispiel eines kombinierten Erfolgs- und Aktien-Beteiligungsmodells158
5.5.3.1 Das Mitarbeiter-Aktien-Programm159
5.5.3.2 Einführungsziele des Mitarbeiter-Aktien-Programms: Einschätzungen des Unternehmensmanagements161
5.5.4 Fallbeispiel eines steuerrechtlich begünstigten Mitarbeiter-Aktien-Programms162
5.5.4.1 Das Mitarbeiter-Aktien-Programm162
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